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Laos, du Schönheit

  • Autorenbild: Peter
    Peter
  • vor 5 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Die Grenze. Ein Theaterstück in zwei Akten.


China verabschiedete uns so, wie es uns empfangen hatte: mit vierspuriger Autobahn und Gründlichkeit. Der Zoll fand eine chinesische Landkarte, die uns kurz zuvor jemand geschenkt hatte. Ein Geschenk. Von einem Chinesen. Eine Landkarte. Sie studierten sie, als verberge sie Staatsgeheimnisse. Vielleicht tat sie das. Wir warteten.


Mr. Ai, unser chinesischer Assistent für die Ausreise aus China, war pünktlich wie eine Schweizer Uhr – was in diesem Kontext fast absurd wirkte.


Laos dagegen: entspannt. Eine Stunde, kein Stress, kein Theater, fertig. Zwei Millionen Kip vom Automaten – über Nacht Millionäre – und weiter. Willkommen in einem Land, das sich selbst nicht so ernst nimmt.




Miese Strassen


Alle sagen dir vorher, dass die Strassen schlecht sind. Sie sagen es mehrmals, mit ernstem Gesicht und warnenden Augen. Und dann kommst du an die Grenze von China nach Laos und verstehst: Sie haben untertrieben. Schrecklich, schrieben wir ins Tagebuch. Zehn Stundenkilometer. Dreissig Kilometer, drei Stunden. Frieda – unser Zuhause auf vier Rädern – ächzte. Wir auch.


Es fühlte sich an wie Stop-and-Go auf einer Schweizer Autobahn – zweiter Gang, wieder runter bis Schritttempo, wieder anfahren – aber nicht wegen Stau, sondern weil dreissig Meter weiter das nächste Schlagloch wartete. Sie waren selbst für unsere LKW-Reifen tief.




Aber dann, irgendwann am Abend: Stille. Grillen. Ziegen auf einer Weide, irgendwo in Nordlaos, gleichgültig und zufrieden. Der Himmel dunkel und sehr gross. Wir sind angekommen – von der Schweiz, über die Mongolei und China, bis hierher. Man muss kurz innehalten, um das wirklich zu glauben.




Luang Prabang. Das Schöne und das Schauderliche.


Luang Prabang ist eine Stadt, die weiss, dass sie schön ist. Und sie hat recht. Kleine Strassen, gute Restaurants, der Mekong träge und blutrot im Sonnenuntergang. Zwei Dollar pro Tag für den Stellplatz beim Nachbarn von Monika, die seit zehn Jahren ihr Gästehaus führt. Manchmal ist die Welt in Ordnung.


So kam Silvester auf uns zu. Wir assen im Thai-Laotischen Restaurant, tranken Wein, trafen Beate zum ersten Mal in echt – nach Monaten aus der Distanz bekannt und nun plötzlich leibhaftig da, herzlich, unkompliziert, als hätte man sich schon immer gekannt. Um Mitternacht tanzten Beate und Heike zu Techno auf dem Hauptplatz. Peter sah zu. Manche Dinge scheinen sich nie zu ändern.



Am zweiten Januar, fünf Uhr morgens besuchten wir den Almosengang der Mönche. Was ein stilles, würdiges Ritual sein könnte, ist längst zu einem Spektakel geworden. Reisebusse. Kameras. Chinesische Reisegruppen ohne Flüstern und ohne Rücksicht. Die Mönche schritten durch diese Kulisse wie durch einen Sturm, der sie nichts angeht. Sticky Rice und abgepackte Snacks stapelten sich in Plastikkörben. Uns taten sie leid. Wir schämten uns, auch dabei zu sein.



Die Tempel entschädigten: weniger prunkvoll als anderswo, dafür mit feinen Mosaiken an den Wänden, die man sich Zeit nehmen muss zu betrachten. Und dann noch auf den Phusi-Mountain, weil man das so macht. Müde kamen wir nach Hause.



Unterwegs. Die Strassen, immer wieder die Strassen.


Nach Vang Vieng waren es 89 Kilometer, sechs Stunden. Schlagloch auf Schlagloch. Powderdust. Sand. Kiesel. LKWs. Kaum Asphalt. Peter fuhr die ganze Strecke. Heike versuchte, nicht laut zu seufzen.


Dazwischen Schönes: eine Lagune, die wir für uns allein hatten. Ein Aussichtspunkt mit einem Aufstieg, der uns an unsere Grenzen brachte – steil, steiler, fast senkrecht – und oben zwei Fotos, dann sofort wieder runter, bevor der Touristenstrom uns mitreisst.



Vientiane. Und warum Hauptstädte manchmal enttäuschen


Vientiane hat uns nicht besonders gefallen. Etwas heruntergekommen, vieles geschlossen, überall Baustellen. Wir liefen durch die Stadt und wussten nicht recht, was wir eigentlich da wollten. Das ehrlichste Reisegefühl überhaupt.


Dafür: das COPE Visitor Center. Eine Dokumentation über die Minen, die die Amerikaner vor über sechzig Jahren über Laos abgeworfen haben – Millionen davon noch immer im Boden, noch immer tötend. Eine nach der anderen werden sie geräumt. Unsere Stimmung danach war bedrückt. Natürlich. Wie soll sie anders sein.




Laos, du Schönheit


Laos ist kein einfaches Reiseland für Overlander. Es ist Backpacker-Land. Die Strassen fordern Geduld und Rücken. Die Geschichte fordert Haltung. Und die Menschen bleiben auf Distanz – höflich, freundlich, aber schwer zu fassen. Am nächsten kamen wir ihnen durch ein laotisch-schweizerisches Ehepaar: er Laote, sie Schweizerin, zehn Jahre in der Schweiz gelebt und nun zurückgekehrt in sein Heimatland. Wie das ausgeht, wussten sie selbst noch nicht.


Aber manchmal hält man in einem Moment inne – bei den Wasserfällen von Kuang Si, die türkisblau und unwirklich leuchten, oder beim Blick auf den Mekong im letzten Licht – und denkt: Genau hier. Genau jetzt.


Das lässt sich nicht planen. Das passiert einfach.


Und dann fährt man weiter. Mit Frieda. Die Strassen Richtung Grenze Thailand war dann versöhnlich. Der Mekong, von oben gesehen, in der Abendsonne: wunderschön.




 
 
 

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