Wenn Reisen zur Prüfung wird
- Peter

- 27. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 15. Dez. 2025
Bis in die Wüste Gobi lief Frieda wie ein Uhrwerk. Alles fühlte sich leicht an, fast selbstverständlich. Doch mit der Kälte kam die Wende. Als erstes verabschiedete sich der Seitenspiegel auf einer üblen Wellblechpiste. Als die Temperaturen zweistellig unter null sanken stieg unsere Heizung aus, weil wir noch Sommerdiesel im Tank hatten. Dann stoppte auch Frieda. Sie startete nicht mehr, egal wie oft wir es versuchten. Ohne Winterdiesel hatten wir keine Chance. Dann die Lecks. Erst Kühlflüssigkeit, dann Druckluft. Innerhalb von einer Stunde standen wir bei 0 Bar. Hinzu kam ein defekter Alternator, der gleich die Starterbatterie mitnahm. Und als wäre das nicht genug: das Loch im Reifen war dann nur noch der Punkt am Ende eines Satzes, den wir so nicht hatten schreiben wollen.
Die Mongolei sah im Schnee magisch aus, aber unsere Aufmerksamkeit galt nur noch den Problemen. Die Kälte kroch überall hinein, die Kabine knackte und fror regelrecht ein. Das Einreisedatum für China rückte näher, während das Fahrzeug aufgab. An Offroad durch die Steppe war schon gar nicht mehr zu denken.
Das sind Momente, in denen man am Strassenrand bei -14° steht, das Fahrzeug mit mehreren Problemen nicht mehr läuft und man sich fragt, warum man das alles macht. Momente, in denen man friert, alles verflucht und sich kleiner fühlt als die Steine auf der Piste. Momente, in denen man trotz all der starken Erlebnisse das Gefühl hat, in ein Loch gezogen zu werden, aus dem man nur schwer wieder herausfindet.
Was hilft, sind die Geschichten anderer. Diese ehrlichen Sätze wie: „Wir durchfahren kein Land ohne eine Garage zu besuchen“, „Wir kennen mittlerweile jede Werkstatt“, „Ersatzteile müssen erst aus Europa kommen“, „Das Kreuzgelenk war schon beim Start müde“. Man erkennt sich wieder. Man merkt, dass niemand unverwundbar ist. Dass jede Reise irgendwann ihre Bruchstellen offenlegt.
Buschmechanik
1999 hatte ich ein Loch im Tank. Zucker und Seife hielten den Tank solange dicht, bis ich in Windhoek war. Im Kaokoveld fielen später die Bremsen aus. Wieder wurde im Busch geflickt, notdürftig, improvisiert, aber genug, um weiterzukommen. Auch mit Frieda erlebten wir diese Art von Hilfe, diesmal professionell. Werkstätten. Ulanbataar, wo der Seitenspiegel, die Lecks im Druckluft- und Kühlsystem behoben wurden. Gleich nach der Grenze in Erenhot, neue Batterien. Den Rest in Peking. Und irgendwann lief Frieda wieder. Ruhig. Selbstbewusst. Als wäre nichts gewesen.
Resilienz
Es gibt bekanntlich immer eine Lösung. Vielleicht teuer, vielleicht umständlich, vielleicht dauert alles länger, als man sich wünschen würde. Aber sie kommt. Und bis dahin darf man sich nicht verrückt machen lassen. Nicht komplett herunterziehen lassen. Nicht den Glauben verlieren, dass es weitergeht.
Resilienz entsteht genau hier. Nicht in perfekten Momenten, sondern wenn man etwas zu verlieren glaubt, wenn die Zweifel laut werden und man trotzdem weitermacht.
Man lernt, dass Krisen Übergänge sind. Dass man Wege findet, weil man sie finden muss. Dass man mehr aushält, als man denkt. Und dass ein kleiner Funke reicht, um die Stimmung zu drehen: ein Motor, der plötzlich wieder anspringt, ein Mensch, der hilft, ein Tag, der besser endet als er begonnen hat.
Diese Erlebnisse wachsen in einen hinein. Erst unterwegs, später im ganzen Leben. Sie zeigen, dass Tiefpunkte nicht das Ende sind, sondern ein Teil der Strecke. Und dass man stärker zurückkommt, wenn man sie überstanden hat.

































Ich bewundere euch soooo, wär absolut nichts für mich , lieber chli is Ticino 🤣Aber Bilder sind de HAMMER. Kopf hoch, chunt immer wieder guet 💕lg @gi