Sawadee
Thailand beginnt nicht mit einem Knall. Es beginnt mit Warten. Zwei Tage, in denen man nicht genau weiss, ob das alles legal ist, halbilegal, oder einfach so, wie es hier eben läuft. Ein Foreign Vehicle Permit muss her — ein FVP, drei Buchstaben, die sich wichtiger anfühlen als sie klingen. Maewa, die Agentin, nimmt die Gruppe an der Grenze in Empfang. Fünf Fahrzeuge, fünf Besatzungen, alle mit demselben verhaltenen Blick: Kommt das durch?
Laos, du Schönheit
China verabschiedete uns so, wie es uns empfangen hatte: mit vierspuriger Autobahn und Gründlichkeit. Der Zoll fand eine chinesische Landkarte, die uns kurz zuvor jemand geschenkt hatte. Ein Geschenk. Von einem Chinesen. Eine Landkarte. Sie studierten sie, als verberge sie Staatsgeheimnisse. Vielleicht tat sie das. Wir warteten.
Zwei Monate Overland durch ein Land, das besser funktioniert als sein Ruf
China.
Das Wort fiel am Overlander-Lagerfeuer meist in gedämpfter Lautstärke. So, als könnte es mithören. Zu laut, zu voll, zu kontrolliert. Ein Land, das man besser umfährt, hiess es. Zu kompliziert. Zu wenig Freiheit. Zu viel alles.
Wir nickten meistens. Denn wir sind sonst die, die abbiegen, wenn die Strasse schmaler wird. Backroads statt Boulevards. Staub statt Skyline. Landschaft statt Sehenswürdigkeit.
China auf eigene Faust: was Overlander wissen sollten
China hat unter Overlandern einen schwierigen Ruf. Zu kompliziert, zu viele Regeln, nur mit Guide, Visa kaum planbar. Vieles davon basiert auf veralteten Informationen oder auf Gerüchten, die sich hartnäckig halten. In der Praxis ist China auf eigene Faust für Overlander gut machbar – wenn man weiss, wie Visa, Einreise und Fahrzeugformalitäten funktionieren.
Wenn Reisen zur Prüfung wird
Bis in die Wüste Gobi lief Frieda wie ein Uhrwerk. Alles fühlte sich leicht an, fast selbstverständlich. Doch mit der Kälte kam die Wende. Als erstes verabschiedete sich der Seitenspiegel auf einer üblen Wellblechpiste. Als die Temperaturen zweistellig unter null sanken stieg unsere Heizung aus, weil wir noch Sommerdiesel im Tank hatten. Dann stoppte auch Frieda. Sie startete nicht mehr, egal wie oft wir es versuchten. Ohne Winterdiesel hatten wir keine Chance. Dann die Lecks.
Traumziel Mongolei
Freiheit hat viele Gesichter. Für die einen ist es ein leerer Kalender, für die anderen ein voller Tank. Für uns beginnt sie dort, wo die Strasse endet. Wo die Zivilisation aufhört und die Wildniss beginnt.
Freiheit fühlt sich nicht immer leicht an. Manchmal ist sie Wind gegen die Windschutzscheibe, Staub im Gesicht, oder ein Moment, in dem du merkst, dass du dich auf nichts verlassen kannst – ausser auf dich selbst und das, was dich trägt.
360 Tage Frieda
Es sind jetzt gut 360 Tage, seit wir mit unserer Frieda losgezogen sind. Frieda, unser rollendes Zuhause, unser Reisekraftwagen, unser Rückzugsort und Fortbewegungsmittel aus Blech und Diesel. Ein Jahr, das so schnell und so langsam zugleich vergangen ist.
Tbilisi - Stadt im Wandel
Tbilisi begeistert. Nicht auf die laute, überdrehte Art. Sondern auf die leise, ehrliche Weise, die unter die Haut geht. Mich erinnert die Stadt an Kapstadt vor 20 Jahren. Damals lag Aufbruch in der Luft – genauso wie hier. Überall wird saniert, restauriert, umgebaut. Häuser, die Jahrzehnte im Dornröschenschlaf lagen, werden wachgeküsst. Balkone bekommen neue Farbe, Dächer neuen Glanz. Und trotzdem: Der Charme des Alten bleibt spürbar.
Balloon vibes
Um 13:00 Uhr fuhren wir in Avanos ein, kurz vor Göreme. Über 1400 Kilometer durch die Türkei lagen hinter uns, und wir hatten es bisher erstaunlich konsequent geschafft, die türkische Küche zu umgehen. Nicht aus Prinzip, sondern aus Umständen. Zu spät, zu weit, geschlossen, zu kompliziert. Diesmal hielten wir an. Es war Zeit, ein Mittagessen zu wagen.
Wie misst man eine Reise?
Eine Reise kann man in Kilometern, Höhenmetern, verbrauchten Litern Diesel und den Umdrehungen der Kurbelwelle messen. In Streckenprotokollen, GPS-Koordinaten und Durchschnittsgeschwindigkeiten. In abgefahrenen Reifenprofilen, abgeschüttelten Schrauben und durchgeschwitzten Hemden. Sie lässt sich in Tagen, Stunden und Minuten herunterbrechen, in Grenzübertritte, Tankstopps und Werkstattaufenthalte